Michael Batz schreibt für die Hamburger Kammerspiele ein Stück über den jüdischen Musiker Harry Herrmann Spitz.
Spitz (1899–1961) war Musiker, Dirigent und Rundfunkredakteur, dessen Leben von der Verfolgung im Nationalsozialismus, der Erfahrung der Konzentrationslager und einer bemerkenswerten Karriere im deutschen Nachkriegsrundfunk geprägt war. In den 1950er-Jahren geriet er in Konflikt mit dem ehemaligen Gestapo-Beamten Kriminalobersekretär Nass, der eine Verleumdungskampagne gegen den Auschwitzüberlebenden Spitz führte.
Spitz wurde 1899 im heutigen Tschechien geboren und wuchs in einer jüdischen Familie auf. Nach dem Umzug nach Wien studierte er Musik und arbeitete in den 1920er-Jahren als Bratschist und Dirigent. Eine Infektion, die zu einer Lähmung eines Fingers führte, beendete seine Karriere, woraufhin er in den Rundfunk wechselte und unter dem Pseudonym „Herry Head“ ein Tanzorchester leitete.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Spitz wegen seiner jüdischen Herkunft entlassen und kurzzeitig von der Gestapo verhaftet. In den folgenden Jahren versuchte er zu emigrieren. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde er erneut festgenommen und kurzzeitig im KZ Dachau inhaftiert. Über mehrere Internierungslager wurde er schließlich nach Auschwitz deportiert und überlebte einen Todesmarsch. 1945 wurde er im Zuge einer Rettungsaktion nach Schweden gebracht und überlebte schwer gezeichnet den Krieg.
Nach einem kurzen Engagement beim Royal Stockholm Philharmonic Orchestra kehrte Spitz 1947 nach Deutschland zurück. Er wurde Leiter der Musikabteilung des Nordwestdeutscher Rundfunk in Hamburg und prägte das Musikprogramm des Senders maßgeblich. Er gründete außerdem das „Orchester Harry Hermann“, das in Rundfunk- und Fernsehsendungen der 1950er-Jahre populäre Unterhaltungsmusik spielte und große Bekanntheit erlangte.
1955 geriet Spitz in einen öffentlichen Konflikt mit Kriminalobersekretär Otto Nass, der inzwischen bei der Hamburger Kriminalpolizei tätig war. Nass leitete Ermittlungen gegen Spitz ein und beschuldigte ihn unter anderem seine Biografie gefälscht zu haben, sich unrechtmäßig als NS-Verfolgter auszugeben und finanzielle Vorteile aus Wiedergutmachungsregelungen gezogen zu haben.
Diese Vorwürfe wurden von ehemaligen Nationalsozialisten unterstützt. Die Ermittlungen stellten sich jedoch als unbegründet heraus und wurden eingestellt.
Dennoch hatte die Kampagne gravierende Folgen: Spitz verlor 1956 seine leitende Position beim Rundfunk und zog sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück.
Die Affäre beschädigte seinen Ruf und belastete ihn gesundheitlich stark. Obwohl er weiterhin sein Orchester leitete, erreichte er nie wieder seine frühere Stellung im Rundfunk.
Harry Hermann Spitz starb 1961 in Hamburg und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf beigesetzt.
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