Nach unserer erfolgreichen Inszenierung von „Prima Facie“ möchten wir mit „Inter Alia“, dem zweiten Theaterstück der Autorin Suzie Miller, thematisch anknüpfen.
Jessica Parks ist Richterin. Immer wieder landen bei ihr – als einer der wenigen Frauen in diesem Beruf – Vergewaltigungsprozesse. Sie möchte den Opfern Raum geben, gehört zu werden, und eine sichere Umgebung schaffen, in der ihnen geglaubt wird. Sie ist eine erfolgreiche Frau mit der scheinbar perfekten Familie: Ihr Mann ist selbst Kronanwalt, ihren Sohn Harry lieben sie über alles.
Kind und Karriere miteinander zu vereinbaren, war nicht immer einfach: Sie erinnert sich an Szenen aus ihrem Leben, als sie mit ihrem damals vierjährigen Sohn auf dem Spielplatz war, von dort aus berufliche Telefonate führte und ihn nur einen Moment zu lange aus den Augen ließ. Oder an Momente, in denen sie so viel Angst um ihren Sohn hatte, weil sie bei der Arbeit von so vielen Fällen von Kindesmissbrauch gelesen hatte. Aber sie hat alles getan, um ihren Sohn zu schützen. Bis er selbst zum Täter wird.
Nach einer Party wird Harry von einer Mitschülerin der Vergewaltigung beschuldigt. Plötzlich steht Jessica zwischen zwei Rollen: der Richterin, die an Recht und Gerechtigkeit glaubt, und der Mutter, die ihr Kind schützen will. Sie weiß, wie diese Prozesse ablaufen, weiß, wie ihr Sohn die besten Chancen hat, ohne Verurteilung freizukommen. Gleichzeitig würde sie damit gegen all das handeln, wofür sie ihr ganzes Berufsleben gekämpft hat.
Soll sie für ihren Sohn kämpfen, egal, was er getan hat? Ist er überhaupt schuldig? Kann sie gleichzeitig Richterin und Mutter eines Vergewaltigers sein? Hat sie als Mutter versagt? Und welches Bild von Männlichkeit vermittelt ihm sein Vater?
Durch die Vermischung von Gerichtsszenen, privaten Momenten und inneren Monologen zeigt das Stück die emotionalen und moralischen Spannungen, die entstehen, wenn professionelle Überzeugungen mit persönlicher Loyalität kollidieren. Am Ende bleibt weniger eine eindeutige Antwort als eine offene Auseinandersetzung mit Schuld, Verantwortung und der Komplexität von Wahrheit.
Besonders freuen wir uns, dass wir für diese Produktion Anna Loos als Jessica Parks gewinnen konnten.
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